Grußwort von Prof. Dr. Iman Attia
Mit Beginn des Sommersemesters 2009 habe ich an der Alice Salomon Hochschule meine Arbeit als Professorin für Interkulturelle Soziale Arbeit aufgenommen. Nach inzwischen Jahrzehnte langer Beschäftigung mit Theorien und Praxis Sozialer Arbeit freue ich mich darauf, nun hier dieses Fach vertreten zu können. Obwohl der Begriff suggeriert, dass Interkulturelle Soziale Arbeit ein Spezialgebiet innerhalb oder neben der eigentlichen, allgemeinen Sozialen Arbeit wäre, so ragt doch die Bedeutung von Hautfarbe, Religion, Kultur, Volk, Nation und die Auseinandersetzung damit in zentrale Themen und Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit hinein. Dies nicht so sehr deswegen, weil Migrant_innen die Angebote Sozialer Arbeit wahrnehmen, sondern vielmehr weil gesellschaftliche und soziale Differenzierungen, Aus- und Eingrenzungen, Privilegierung und Diskriminierung (auch) entlang von Ethnizität gezogen werden. Von daher ragen die Konstruktionen von Zugehörigkeit und Normalität versus Fremdheit und Abweichung in alle Bereiche der Sozialen Arbeit als Teil gesellschaftlicher Praxis hinein. Die Cultural und Postcolonial Studies, Kultursoziologie und Poststrukturalismus als theoretische Bezugsrahmen der Ethnicity und Migration Studies betonen die Bedeutung der Auseinandersetzung mit Kultur (im Kontext von Class, Ethnicity, Gender, Dis-/Ability) für alle Gesellschaftsmitglieder. Denn in und durch Kultur setzen sich die Subjekte mit Gesellschaft auseinander. In kulturellen Praktiken schreiben sie sich in die Gesellschaft ein, nehmen die zugewiesenen Räume an oder erweitern sie, verschieben Bedeutungen oder codieren sie um, sind subversiv, widerständig, angepasst oder flexibel etc. In diesem Sinne stellen die Ethnicity und Migration Studies in erster Linie eine Querschnittsaufgabe Sozialer Arbeit dar, sie können jedoch auch als Spezialisierung jene Themen vertiefend bearbeiten, zu denen Soziale Arbeit angesichts der Fülle und Breite von Themenfeldern und Aufgaben ansonsten nicht genügend Zeit und Raum zur Verfügung steht.




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