Abschied...
In den letzten Wochen fiel mir eine Veränderung meiner Beziehung zur ASFH auf. Ich erwischte mich mehrmals dabei, wie ich ohne Notwendigkeit schon vor Seminarbeginn in die FH kam oder hinterher länger blieb. Und nicht nur dass ich verspürte eine gewisse Verbundenheit und ein klein wenig Melancholie beim Gedanken bald nicht mehr herkommen zu müssen. Was war geschehen?
Schon während des ersten Semesters musste ich feststellen, dass es mehr Mängel an der FH gab als Zufriedenstellendes: Unangenehme Veränderungen die mit dem Bachelor einhergingen (weniger Soziologie und Politik etc.), nicht zufriedenstellende Dozenten, das ausladende Umfeld, das gewöhnungsbedürftige Gebäude, die untransparenten und oft hinderlichen bürokratischen Strukturen etc. All das ließ sich kaum aufwiegen gegen die wenigen wirklich erfüllenden und interessanten Seminare.
Daraufhin akzeptierte ich das Studium als eine Einführung in staatliches und strukturelles Denken (viel Recht etc.)-Dinge, die zwar nicht zu meinen Interessen gehörten und meinen Ansichten oft widersprachen, aber auch nicht schaden konnten. Somit begann ich viele meiner persönlichen Interessen außerhalb der FH zu verfolgen und fühlte mich mit dieser Mischung ganz wohl.
Und so verging die Zeit und jetzt am Ende plötzlich das Gefühl, dieses Studium doch irgendwie lieb gewonnen zu haben, doch etwas mitzunehmen und mit mehr Klarheit und neuen Zielen meinen Weg weiter zu gehen. Es wäre zu viel, meine gesammelten Erfahrungen an und um die FH hier zu schildern. Im Folgenden möchte ich versuchen für alle, die neu an der FH sind oder noch etwas Zeit vor sich haben, einige Tipps zu geben, die für das Studium an der ASFH sinnvoll und inspirierend wirken könnten:
1. Entwickle deine eigene Vorstellung von Sozialer Arbeit. Lasse es nicht zu, dass Andere diese Profession für dich definieren, letztlich kommt es darauf an, was du an dieser Welt verändern oder bewirken und wie du dies bewerkstelligen willst.
2. Versuche Dozenten zu finden, die dich wirklich inspirieren bzw. eine Idee von Sozialer Arbeit vermitteln, die deiner nahe kommt. Wenn notwendig, belege auch mal zusätzlich ein Seminar. Wenn eine persönliche Ebene zwischen Dozenten und Studenten möglich wurde, lernte ich zumeist am meisten.
3. Die Vielfalt Berlins erlaubt es einem zusätzlich zum Studium Aspekte der Sozialen Arbeit überall und zu jeder Zeit zu erlernen (besonders in politischen oder künstlerischen Gruppen oder Bündnissen aber auch auf den Straßen oder in themenspezifischen Tagungen etc.). Es empfiehlt sich die Grenzen zwischen Studium und Freizeit nicht so eng zu ziehen. In der „Freizeit“ lernte ich zeitweise mehr, während ich in manchen Seminaren auch mal abschaltete.
4. Nutze vor allem unbefriedigende Seminare dazu deine eigene Vorstellung von Sozialer Arbeit, also deine Interessen und Ansichten durch Referate etc. einzubringen und zu entwickeln. Letztlich liegt es auch an uns, dass die wesentlichen Dinge gesagt werden, da sollte man sich von Dozenten nicht verunsichern lassen.
5. Suche einen pragmatischen und zugleich selbstbewussten und kritischen Weg im Umgang mit Anforderungen und Regeln. Ich habe viele Dozenten erlebt die nicht nur an der Leistung interessiert sind, sondern sich durchaus von Persönlichkeit, Originalität und Authentizität beeindrucken lassen.
6. Wenn es auch manchen so erscheint, dass Stupa, Asta und Schülercafé von einer Gruppe Studenten ermöglicht wird, die in ihrer Andersartigkeit ähnlich sind und daher wie eine geschlossene Gesellschaft wirken: Schrecke nicht zurück hinzugehen, die Freiräume zu nutzen und mit zu bestimmen. Du wirst sehen, sie sind gar nicht so anders. Überhaupt tut der FH bzw. der Studentenschaft jedes bisschen Engagement unglaublich gut.
7. Ich empfehle eine gewisse Gelassenheit im Studium. Diese kann helfen die vorhandenen Potentiale und Räume zu nutzen und konstruktive Kritik zu üben. Leider war ich schnell dazu geneigt der FH gefrustet den Rücken zu zukehren und nur noch das Notwendigste zu tun. Durch die Gelassenheit, die sich mit der Zeit einstellte konnte ich viele Inhalte und Seminare, Dozenten und Dozentinnen und vor allem auch meine lieben Mitstudierenden unvoreingenommener wahrnehmen, annehmen und von ihnen lernen. Daher glaube ich, ist es mir nun möglich mit positiven Gefühlen und einem empathischen (hab ja doch was gelernt:-) Schmunzeln dieses Studium abzuschließen.
Von Franz-Christian Grimm




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